Eingangsseite

Geschichte

 

Landkreis Bialogard stellt sich vor

Landkreiskarte

Landkreis Bialogard in Zahlen

Stadt - Gemeinde Bialogard

Stadt - Gemeinde Karlino

Gemeinde Tychowo

Tourismus & Natur

Sport & Freizeit

Kultur

Wirtschaft

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Hotels & Übernachtung

Firmenkatalog

Kontakt

 

 

Geschichte des Bia³ogarder Gebietes

Das Gebiet des Kreises Bia³ogard (Belgard), vor allem im Bereich des Zusammenflusses der Parsêta (Persante) und Radew, hat eine sehr reichhaltige kulturelle Vergangenheit. Die frühe Geschichte dieser Gegend wird durch den Zeitraum, seit der mittleren Steinzeit, ungefähr 8 000 Jahre v.Chr. bis in das frühe Mittelalter, der ersten Hälfte des 13.Jh., begrenzt.

Das Gebiet des Bia³ogarder Landkreises, ähnlich wie in ganz Nordpolen, war im Vergleich zu anderen Landstrichen des südlichen Europas und auch Polens, erst ziemlich spät besiedelt worden. Die Ursache dafür waren die für den Menschen ungünstigen klimatischen Verhältnisse. Dieser Teil Polens war nach der geologischen Zeitrechnung für die Dauer von ungefähr 18 bis15 Tausend Jahre v. Chr. mit Inlandeis bedeckt. Im Zuge der Klimaerwärmung und in Folge des Zurückweichens dieses Inlandeises nach Norden wurden diese Landstriche zum Leben zunehmend erträglicher. Es zeigten sich eine Tundra-Pflanzenwelt und Tiere des subarktischen Klimas, deren Vertreter u.a. das Rentier war.

In der mittleren Steinzeit (Mesolithikum 8000 Jahre v.Chr. bis 4200 v. Chr.) erfolgte eine weitere Verbesserung und Erwärmung des Klimas. Das verursachte die vollständige Entwicklung einer Pflanzendecke und der Tierwelt. Die Flächen  Nordpolens wurden für eine ständige Ansiedlung menschlicher Gemeinschaften immer erträglicher und menschenfreundlicher.

In der jüngeren Steinzeit (Neolithikum 4200 - 1700 Jahre v.Chr.) kam der große sozial-wirtschaftliche Durchbruch. Das Klima wurde warm und trocken. Es erschienen andere, technische Errungenschaften, vor allem in der Herstellung neuer, besserer und vervollkommneter Handwerkzeuge. Der Grundrohstoff ihrer Anfertigung ist jetzt nicht mehr der verhältnismäßig weiche Feuerstein, sondern ein harter Stein. Man beherrschte die schwierige Technik des Steinmetzhandwerks.

Die nächste Epoche ist die Bronzezeit (1700-650 Jahre v. Chr.) In diesem Zeitalter erfolgte in der Entwicklung des Menschen ein weiterer Fortschritt im Bereich der Herstellung neuer und weiter vervollkommneter Produktionsmittel. Dies konnte sich dank der Kenntnisse  über und die Beherrschung neuer Herstellungsbereiche, wie z. B. der Gewinnung von Kupfer- und Zinnerzen und ihrer weiteren metallurgischen Bearbeitung, vollziehen. Das Ergebnis war letztendlich das Erhalten eines härteren Metalls, als das reine Kupfer, nämlich die Bronze. Im Laufe der Zeit begann man eigene, lokale Erzeugnisse in den Bereichen Waffen, Handwerkzeuge, wie auch eine reiche Auswahl von Schmuckstücken zu fertigen. Die Eisenzeit dauerte von 650 v.Chr. – 570 n.Chr. Die Kenntnisse über und die Verbreitung in der Eisen-Metallurgie erfolgten zunächst auf der Basis von importierten Rohstoffen und fertigen Erzeugnissen, danach in Anlehnung an die örtlichen Eisenerzablagerungen, dem so genannten Raseneisenerzen oder Sumpf- und Wiesenerze, welche die polnische Erde in Fülle aufweisen konnte. Eisen wird zum grundlegenden Rohstoff und Material zur Herstellung eines breiten Fächers von Produkten, wie Waffen, Werkzeugen bis hin zum Schmuck. Die meist verbreitete Tätigkeit der Bevölkerung ist jedoch dem Grunde nach die Ackerwirtschaft, Viehzucht und auch die Fischerei und Jagd.

Nach Jahren von Unruhen, welche in der Zeit der Völkerwanderungen vorkamen und dem damit verbundenen Rückzug im Allgemeinen und vor allem auf kulturellem Gebiet in ganz Europa, also auch in Polen, trat eine bedeutende Stabilisierung der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse ein. In dieser Zeit (als frühmittelalterliche Periode bezeichnet, 570 -1250 n. Chr.) bildete sich das polnische Volk heraus und es gestalteten sich die Grundlagen des polnischen Staates. In der archäologischen Zeitrechnung teilt sich das polnische frühe Mittelalter in zwei Perioden. Die erste, die vorpiastische Periode (570 - 950 n.Chr.) und die zweite, die frühe Herrschaft des Hauses Piast, also die frühpiastische Periode (950-1250 n.Chr.). In der vorpiastischen Periode erfolgte die Konsolidierung der Stamm- und Territorialorganisationen im Gebiet zwischen Bug und Oder, die den Anfang der Grundfesten eines frühfeudalen Staates begründete, der sich in der zweiten Periode (frühe Piastenzeit), als fertiges Gebilde eines feudalen Staates unter der einheitlichen Macht des ersten Piasten erweist.

Intensive Flächenuntersuchungen im Hinterland der Ansiedlungen führten zur Entdeckung einer Reihe, bisher in der Fachliteratur unbekannter und neuer archäologischer Funde, die überwiegend aus dem Frühmittelalter und in enger Verbindung mit den Burgstädten oder Siedlungen, die sich am Fuße einer Burg befanden, standen. Im Gebiet des Bia³ogarder Kreises sind insgesamt 8 Burgruinen, so in den Ortschaften Bia³ogard, Buczek, Dzieciolowko, Lubiechowo, Ostre Bardo, Rawino, Stare Debno und Weldkowko und 31 Siedlungen des Frühen Mittelalters, bekannt. Aufgrund der archäologischen Quellen wurde festgestellt, dass der Beginn dieses reichen Ansiedlungsnetzes des Kreises Bia³ogard ins 8.Jh. (z.B. in Lubiechowo und Dzieciolowko) zurückreicht und ununterbrochen bis zum Ende des 13. Jh. andauerte. Die Burgschlösser und Wartburgen wurden in der Regel an schwer zugänglichen Orten und Stellen gebaut, auf Sumpf- und Moorgelände, auf nassen Wiesen, Halbinseln und Moränenzipfeln, in der Nähe von Flüssen und Seen. Die Schlösser, Burgen und andere Festungen dienten als Zufluchtsorte der Siedlungsbewohner, zum Schutz und Trutz, erfüllten aber auch andere, verschiedene Funktionen wie z.B.: der Verwaltung, strategisch-militärischen Zwecken, dem Kultus und anderen.

Die Lebensgrundlage der Bevölkerung des Frühmittelalters im Bia³ogarder Gebiet war die Landwirtschaft. Mit ihr war, wie gewöhnlich, auch die Viehzucht,  so die Zucht von Kühen, Schweinen, Schafen, Ziegen und Pferden, eng verbunden. Unter Berücksichtigung auf die Bodeneigenart und der Fülle an Wasser- und Waldflächen spielten auch die Binnenfischerei und das Jagdwesen eine wichtige Rolle. Aus anderen Tätigkeitsbereichen und Berufen muss man hier die Metall- und Holzbearbeitung erwähnen. Zunächst das Hütten- und Schmiedegewerbe, dann aber standen auch solche Handwerke, wie die Schneider- und Weberei, sowie die Gerber- und Schuhmacherei, in gutem Ruf. In der Holzbearbeitung führten die Böttcher und Stellmacher ihre Zunft an, aber auch Zimmerleute standen in Ehren, da jeder doch nach dem eigenen Haus strebte. Sie verrichteten schon eine Arbeit mit mehr Verantwortung, wie z.B. die Wagenherstellung, den Häuserbau, das Bauen von Burgen und Bollwerken, Brücken und sogar Schiffen. Ein wichtiges Handwerk stellte auch die Bearbeitung von Hörnern und Knochen, Bernstein und Edelmetallen dar. Ein weiterer Faktor, der wohl in sehr bedeutender Weise seinen Einfluss auf die Entwicklung der Wirtschaft im Pommern des frühen Mittelalters ausübte, war der Binnen- und Außenhandel und auch schon der Welthandel. Durch  Mittelpommern und somit auch durch das Bia³ogarder Gebiet liefen wichtige Handelswege von örtlicher und weiterreichender Bedeutung.

In der frühen Herrschaftsperiode der Piasten haben sich in Pommern auf Basis alter Stammes- und Territorialsiedlungen die Ursprünge der ersten Städte gebildet, von denen Ko³obrzeg (Kolberg) und Bia³ogard (Belgard) besondere Bemerkungen verdienen. In diesen Ansiedlungen, wie es aus den Berichten Gallus Anominus hervorgeht, sollen sich der Sitz des Bischofs Reinbern, im Falle Kolbergs und am Anfang des 12. Jh. in Belgard die Hauptstadt und der Sitz der Fürsten von Westpommern, befunden haben.

Wenn es um die Geschichte des Bia³ogarder Gebietes vom 13.Jh. bis zur Hälfte des 17.Jh. geht, so stellte Bia³ogard in dem erwähnten Zeitraum eines der wichtigsten Küstenzentren dar, um das sich wohlhabende und auf hohem wirtschaftlichem Niveau stehende Ansiedler scharten. Dieses bestätigen die Überlieferungen der Chronisten. Der polnische Geschichtsschreiber Gallus Anonimus bezeichnet Belgard als "königliche und hervorragende Stadt", und an anderer Stelle: "eine reiche und belebte Burgstadt", aus welcher Boleslaus der Schiefmündige im Jahre 1102 " unzählbare Beute hinausfuhr". Im Jahre 1102 wurde die "Festung Belgard dem Boden gleichgemacht" und schon um die Jahreswende 1107/08 waren die Stadtbefestigungen schon wieder so stark, dass, wenn der Schiefmündige sie erstürmen wollte, er erst "ein Lager aufschlagen müsste", um die Belagerungsmaschinen vorzubereiten.

Die große Bedeutung der Stadt bestätigt die Mission des Bischofs Otto, der nur die größten Zentren Westpommerns besuchte und in Belgard im Jahre 1124 acht Tage lang verweilte.

Der in vielen Gebieten verlaufende Fortschritt der Technik, die wirtschaftlich-sozialen Veränderungen und im gewissen Maße auch die ethischen Verhältnisse, trugen auch zum Wachstum der Landwirtschaftsproduktion und einer weiteren Entwicklung des örtlichen Handels bei. Das zog eine Steigerung der Bedeutung Belgards, als wichtiges Wirtschaftszentrum dieses Gebietes nach sich und in der Konsequenz die Erlangung des Stadtrechts. Am 2. August 1299 verlieh der Fürst von Westpommern, Boguslaus IV, dieses Privileg nach den Lübecker Rechten. Diese städtischen Vorrechte brachten eine neue Gesellschaftsordnung mit sich und stärkten somit auch die Stadt in ökonomischer Hinsicht.

Aus den Überlieferungen der Geschichtsschreiber geht hervor, dass das Bia³ogarder Gebiet um die Wende des 11. u.12.Jh. ein wichtiges politisches Zentrum Westpommerns gewesen ist. Bia³ogard war, als vortreffliche Königsstadt anerkannt und als ein Zentrum des Landes angesehen. Höchstwahrscheinlich residierten hier irgendwelche Fürsten, um so mehr, da die Stadt vortreffliche, strategische Werte aus seiner Lage an der Gabelung von Persante und Leitnitz , inmitten nasser Wiesen und Moore hatte, was ihnen noch mehr Sicherheit verschaffte. Unter der Herrschaft der Brandenburger und Preußen (1648 -1918) und im Laufe des 30 jährigen Krieges (1618 -1648) war Westpommern das Schlachtfeld vieler blutiger Kämpfe, ein sehr ausgemergeltes  Durchgangsland verheerender Märsche und auferlegter Kontributionen durch die kaiserlichen-, brandenburgischen-, schwedischen- oder dänischen Militärs. Aufgrund des Osnabrücker Traktates wurde  Westpommern dann zwischen den brandenburgischen Eroberern und dem schwedischen König geteilt. Belgard befand sich gemeinsam mit dem ihr nahe liegenden Gebiet in den Grenzen Brandenburgs. Ihre Geschichte ist auch eine Widerspiegelung des Schicksals des ganzen westpommerschen Gebietes unter den städtischen Behörden der Eroberer, später des preußischen Königs und des deutschen Kaisers.

In den Bereichen des Territoriums, der Staats-, Selbst-, und Gerichtsverwaltung war der Verlauf der Grenzen des damaligen Kreises Belgard (aus den Jahren 1815 -1932) bedeutend anders strukturiert, als der heutige. Im Regierungsgebiet des Kreises befand sich auch die Stadt Bad Polzin (Po³czyn Zdroj), wonach Körlin (Karlino)  1872 zum Kreis ("Fürstentum") Kolberg (Ko³obrzeg) gehörte. Die größten Unterschiede kann man im Grenzverlauf des damaligen Kreises Schivelbein (¦widwin) feststellen. So umfasste, als wichtigste genannt, der Bia³ogarder Kreis solche Dörfer, wie Rabino, Redlo (Pflugrade), Lipie, Legi, Slawa, Cieszyno, Bierzwica. Eine Territorialenklave im Kreise Bia³ogard stellte die Oberförsterei Bronowo, im Eigentum des Schivelbeiner Magistrates, dar. Seit dem Jahr 1724 stand an der Spitze des Kreises ein Beamter, Landrat genannt, er war ein Gebürtiger und Auserwählter der Gesellschaft hiesiger Großgrundbesitzer (Adliger), der zuvor in diesem Amt durch den König genehmigt und bestätigt wurde. Das Jahr 1932 brachte wesentliche Veränderungen im Territorialbereich des Kreises mit sich. Man vereinigte damals (am 01.08.1932) die bisherigen Kreise Belgard und Schivelbein (¦widwin) zu einem Großkreis mit Behördensitz in Bia³ogard, wobei man gleichzeitig zwei Gemeinden aus dem bisherigen Kreis Belgard dem Kreis Köslin (Koszalin) zuwies und drei weitere dem Kreis Dramburg ( Drawsko). Der neu organisierte Kreis mit einer Gesamtfläche von 1635 km2 umfasste drei Städte (Belgard, Bad Polzin u. Schivelbein, heute Bia³ogard, Po³czyn Zdroj und Swidwin) und 126 Dorfgemeinden. Die Befreiung des Kreises in den ersten Märztagen des Jahres 1945 war eine Kehrtwende in der Geschichte der alten slawischen Erde voller historischer Traditionen. Das Bia³ogarder Gebiet kehrte gemeinsam mit ganz Westpommern wieder zu Polen zurück. Damit zerfiel die alte rechtliche und administrative Ordnung und ihren Platz musste eine neue regionale Verwaltungsbehörde einnehmen.

Nach seiner Befreiung dienten Kriegskommandanturen, als erste Behörden, der Sicherung der Rechts- und Gesellschaftsordnung im Kreis. Am 14.März erfolgte aufgrund eines Regierungsbeschlusses die provisorische Aufeilung in neue Regierungsbezirke und machte die bisherigen Bevollmächtigten der vorläufigen Regierung zu Leitern regionaler Verwaltungsämter.

In Westpommern, in dessen Bezirk der Kreis Bia³ogard verblieb (damals Distrikt oder Bereich genannt), wurde eine operative Verwaltungsgruppe, zwecks Organisation der Distriktverwaltung (Kreisverwaltung) gebildet. Nach Ankunft dieser Gruppe amtierten, zunächst einige Tage hindurch, zwei Leiter des Kreisamtes, der Regierungsbevollmächtigte und der bisherige Landrat des Kreises, der vorher durch die Kriegskommandantur ernannt worden war. Am Ende dieser Phase wurde das Amt des Landrats aufgehoben.

In derselben Zeit begann man mit dem Organisieren der Administration in den einzelnen Gemeinden des Landkreises. Nach einer provisorischen Aufteilung in Dorfgemeinden ernannte der Regierungsbevollmächtigte für den Bereich Bia³ogard die Gemeindevorsteher und andere Beamte der Gemeinde. In dieser Zeit bildeten sich noch keine regionalen Selbstverwaltungsorgane und ihre Aufgaben erledigte der Beamtenapparat des Regierungsbevollmächtigten.

Das war selbstverständlich ein Ausnahmezustand, welcher aber schnell im Zuge der Normalisierung der Gesellschaftsordnung aufgehoben wurde. Letztendlich kam es im Jahr 1946 zur Aufhebung dieser Kreisverwaltung. Die Ämter der Regierungsbevollmächtigten, sowie die Begriffe von Bezirken und Distrikten wurden abgeschafft und gleichzeitig wurde eine einheitliche Nomenklatur, wie auch in ganz Polen verwendet,  eingeführt. Auf diese Weise wurde das Amt des Regierungsbevollmächtigten in Bia³ogard in ein Kreislandratsamt umgewandelt und sein Leiter war von jetzt an wieder ein Landrat.

Quelle: "Dzieje Ziemi Bialogardzkiej - Geschichte des Bia³ogarder Gebietes" - Gemeinschaftsarbeit unter der Leitung Andreas Czarniks.

 

 

 

 

 

Wykonanie: NetWind